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New Life 2011

Vorwort
Ich habe einige Zeit überlegt, ob ich dieses Kapitel hier auch auf meiner HomePage zum Thema mache. Ich hatte und habe die Vorahnung das mir diese Seite/n anders ausgelegt werden als sie gemeint sind. Desshalb bitte ich hier an dieser Stelle auch darum es als eine Geschichte zu sehen. Eine Geschichte die erzählt, aber niemandem etwas vorschreiben will. Diese Geschichte ist eine Geschichte, sollte hier und da ein Fünkchen "Besserwisserei" oder "Klugscheißerei" oder etwas derartiges zu finden sein hat dies in der Sache nichts persönliches damit zu tun - es gehört dann eben zur Geschichte. Diese Geschichte ist eine Geschichte aus meinem Leben und in ihr stecken eben auch Erfahrungen die mich klüger machten.

Tag X - A-ha-Effekt mit Folgen
Mein Tag X war ein Abend im Februar 2011. Ich weiß nicht mehr warum, aber ich fuhr an jenem Abend nicht meinen "normalen" Weg von der Arbeit nach Hause. Ich nahm den Bus einer Linie, die paralel zu meiner eigentlichen Linie verkehrte. Dies führte dazu das ich ca. 1 km zu Fuß nach Hause laufen musste. Im Grunde war es nur eine Querstraße die meine "Ausweichstrecke" mit meiner normalen Bus-Strecke verband. In alter Gewohnheit tat ich, was ich immer tat wenn ich länger draußen war: Ich macht mir nach ca. 100 m eine Zigarette an und ging zügig weiter. Kurz darauf jedoch konnte ich nicht mehr gehen! Mich quälte mein Raucherhusten in einer bis dahin nicht gekannten Stärke. Ich spuckte und röchelte und versuchte bestimmt eine viertel Stunden den Kram aus meinem Hals zu bekommen der mich nicht atmen lies. Ich hatte das Gefühl ich würde an meinem eigenen Rotz ersticken. Wieder und wieder. Es war ein Alptraum.
Dieser Alptraum aber machte mich wach. Er sorgte dafür das ich erkannte was eigentlich jeder weiß: Rauchen schadet. Durch eine Arbeistkollegein war ich die letzten Wochen davor immer mal wieder mit dem thema "Aufhören" in Berührung gekommen. Sie hatte schwangerschaftsbedingt aufgehört. Auch Ärtzte rieten mir u.a. nach einer Kiefer-OP dazu zumindest für ein paar Tage aufzuhören. Der Zufall wollte es, das ich so auch mit meinem Mann schon über das Thema gesprochen hatte. Durch diese Reihe von Zufällen (oder möchte man es "Schicksal" nennen?) lies mich dieses Thema nicht los. In der Summe aber führten diese Zufälle zu einem Entschluss: Mit den Zigaretten musste schluss sein!

Der Entschluss war schnell gefasst, doch damit gab es erst einmal ein paar Probleme mehr die es zu lösen galt. Ich räumte mir desshalb ein paar Tage für die Organisation ein. Es musste einiges geklärt werden: Wie hörst du auf? Wie vermeidest du das du beim Aufhören "aufgehst wie ein Hefeteig"? Welche Hilfen hast du? 3 Tage hatte ich mir Zeit genommen um diese Fragen zu beantworten. Ich begann damit meinem Mann zu eröffnen das er ab dem Start meines "Projektes" auf dem Balkon rauchen müsste, womit er keinerlei Probleme hatte. Nach und nach löste ich so die Fragen und stand dann (schneller als erwartet) an meinem letzten Tag als Raucher da.
Diesen letzten Tag zelebrierte ich fast schon. Ich nahm diesen Tag sehr bewusst war. Auch oder gerade weil mit diesem Tag etwas enden würde. Als mein Mann abends zur Nachtschicht das Haus verlies überschlug ich kurz vorher was ich an diesem Tag noch an Zigaretten rauchen würde und gab den Rest meiner Schachtel meinem Mann mit. Später habe ich all unsere Aschenbecher abgewaschen und mir sehr bewusst gemacht, das ich sie das letzte mal reinigen würde weil ICH sie mit verschmuzt hatte. Ich räumte die Aschenbecher dann auch von ihren "angestammten Plätzen" weg. Ein Sturmaschenbecher bekam seinen Platz später auf dem Balkon. Ich bastelte mir auch ein "Nichtraucherglas" und erstellte via PC ein Hinweisschild für die Balkontür welches darauf hinweist das sich der Raucherbereich draußen befindet. Ich weiß noch sehr genau: An jenem Abend rief ich kurz vor Mitternacht meinen Schatz an - mit ihm wollte ich "die letzte" rauchen. Um 23:54 machte ich sie mir an und 5 min. später um 23:59 Uhr drückte ich sie aus - mit dem sehr bewussten Gedanken: Das war (hoffentlich) die Letzte!

3 - 2 - 1 - Start ! New Life 2011
Der erste Tag brach an. Der erste Tag nach über 12 Jahren Raucherei an dem ich nicht morgens zur Zigarette greifen wollte. Und das ging ziemlich gut. Erstaunlichererweise fiel es mir deutlich leichter als gedacht auf die Glimmstängel zu verzichten. Schwerer war es für mich, auch auf Droge Nummer 2 zu verzichten: Zucker. Der erste Tag aber versprach und brachte noch viel Gutes. Die Waage zeigte deutlich weniger an, als ich ürsprünglich dachte und alles andere lief eigentlich so nebenbei. Das sich das bald ändern würde, ahnte ich an diesem Tag noch nicht. Denn es ist eine Sache das Ziel zu haben Gewicht zu verlieren. Es ist eine zweite Sache das Ziel zu haben wieder ohne Zigaretten leben zu wollen. Und es ist eine ganz andere dritte Sache wenn man das Ziel hat wieder ohne Zigaretten mit weniger Kilos auf den Hüften leben zu wollen. Die Verbindung der ersten beiden Ziele zu einem Ziel erschweren das ganze ungemein. Auch ich musste das erst lernen. Denn so leicht mir der Verzicht auf Nikotin körperlich auch fiel, um so schlimmer war er emotional. Da ich meinem Körper keine "Ersatzdroge" statt des Nikotins gab war ich emotional teilweise sehr reizbar. Ich hatte phasenweise wirklich extrem schlechte Laune und konnte dies allzuoft auch auf Arbeit nicht verbergen. Teilweise machten sich die Kollegen sorgen um mich oder blafften mich (zu recht) an mit den Worten "Mensch, geh eine Rauchen oder lass mal Dampf ab!". Auch mein Mann hat sicherlich sehr unter meinen Reaktionen leiden müssen. Ich selbst fühlte mich auch oft nicht gut dabei. Ich bin eigentlich eine friedfertige Persönlichkeit und streite mich nicht gerne. Ich habs lieber wenn man sich versteht und alle fröhlich sind. Aber ich machte nun mal den einen oder anderen Menschen in meiner Umgebung blöde an, mal basiert auf nem Missverstädnis, mal weil ich einfach sauer auf "die ganze Welt" war oder auch einfach nur weil ich teilweise schon echte Depressionen hatte. Ich befand mich eben in einem körperlichen Drogenentzug - der schlägt auch mal aufs Gemüt. Das ist eben so. Es gab Tage an denen hätte ich am liebsten den ganzen Tag in nem dunklen Zimmer unter der Bettdecke verbracht. Aber das ging nicht. Das Leben musste ja weiter gehen. Und so versuchte ich auf vielen Wegen meine Emotionen zu kontrollieren, was mir auch Tag für Tag besser gelang. Zudem stellte ich fest, dass ich ohne Nikotin deutlich tiefer und besser schlafe als vorher. Auch auf der Seite des Gewichtsverlust bewegte sich etwas. Zwar deutlich langsamer als ursprünglich geplant, aber immerhin Schritt für Schritt bewegt sich die Waage nach unten. Beim Gewicht ist das Ziel zwar lange noch nicht erreicht, aber ich bin auf einem Guten Wege dahin und bin mir sicher das ich im Laufe der Zeit auch dieses Ziel noch erreichen werde.

My Life 2011 - Nachwort

Der Beginn meines "New Life 2011" ist mittlerweile einige Zeit her. Ich bin mir sehr bewusst das ich in diesem Zusammenhang eigentlich niemals von einem "Ende" reden darf. Ein Ende dieses "New Life" würde bedeuten in alte und falsche Verhaltensmuster zurück zu fallen, was ich definitiv nicht will. Ich lebe jetzt mein "New Life 2011" aus dem eigentlich schon ein "My Life 2011" geworden ist. Denn ich habe die alltäglichen Probleme recht gut im Griff. Ich habe kein Verlangen nach Zigaretten und auch ein "Fressflash" wie in den ersten 2 Wochen ist mir nicht wieder passiert. Im Gegenteil: Erst vor kurzem habe ich bei meinem Gewicht eine wichtige Marke unterschtritten. Ich bin mit mir und meinem Leben, meinen Entscheidungen über dieses neue Leben sehr zufrieden. Ich freue mich auch darüber wie sich die Dinge zur Zeit so entwickeln. "Gut Ding will Weile haben" - das gilt auch für solche Projekte. Man muss sich Zeit nehmen für solche Sachen und sollte sich auch von Rückschlägen (und davon gab es einige und es wird bestimmt noch welche geben) nicht vom Ziel abhalten lassen. Das Durchhaltevermögen stößt immer mal wieder an seine Grenzen, aber die kann man erweitern. Ich werde meine Grenzen erweitern um für mich zufriedener zu sein. Ich gehe diesen Weg für mich und für niemanden anders. Aber, und das ist mir wichtig an dieser Stelle zu erwähnen, ich möchte damit niemandem etwas vorschreiben. ich habe diese Entscheidungen ganz allein für mich getroffen. Sicherlich kommt auch von mir mal ein Spruch nach dem Motto "Räucherware hält sich länger? Nö, was lebt, lebt länger!" aber der ist im Spaß gemeint und wird mit einem lächeln untermalt.

Ich mache mir beim Thema Rauchen eines immer wieder bewusst: Ich bin Nichtmehrraucher - kein Nichtraucher. Der Unterschied zwischen Nicht- und Nichtmehrraucher ist ganz einfach: Ein Nichtraucher hat in seinem Leben noch nie geraucht. Ich allerdings habe über 12 Jahre geraucht und es mir dann erst wieder abgewöhnt - sprich: Ich rauche nicht mehr, was mich zu einem Nichtmehrraucher macht. Und diese Sichtweise sorgt dafür das ich kein "Militanter Nichtraucher" werde wie es (leider) viele andere Ex-Raucher werden. Sie werden teilweise doch sehr altklug und mutieren zu wahren Experten was die Gesundheit angeht obwohl sie selbst ihre eigenen Körper Jahrelang mit Nikotin geradezu misshandelt und vergiftet haben. Ich möchte aber so einer nicht werden. Für mich steht eine Tatsache felsenfest da: Ich habe mich über 12 Jahre jeden Tag mehr oder weniger bewusst für die Zigaretten entschieden. Seit einiger Zeit entscheide ich mich jeden Tag mehr oder weniger bewusst gegen sie. Ich habe und hatte jeden Tag aufs Neue die Wahl und habe mich entschieden. Diese Wahl lasse ich auch jedem Anderen. Ich verurteile einen Raucher nicht weil er raucht - ich habe mich selbst auch nie dafür verurteilt als ich selbst noch rauchte!

Ein herzliches Danke!

Ich weiß das ich gerade in der Anfangszeit meines Weges nicht ganz so kontrolliert war wie sonst. Ich weiß das ich betsimmt zu dem einen oder anderen Menschen in meinem Umfeld gemein, pampig oder genervt war ohne das er oder sie etwas dafür konnte. Ich hatte meine Launen nicht im Griff. Das tut mir alles sehr leid und ich weiß das mir verziehen wurde. Aber ich möchte mich an dieser Stelle noch mal dafür bedanken. Ich möchte Danke sagen für das Verständnis, die Geduld, die Gespräche und das einfache "da-sein". Ohne meine lieben Kollegen, Freunde und vorallem ohne meinem Mann hätte ich diesen Schritt in der Form nie geschafft. Euer Verständnis sorgte dafür das ich nicht nach dem ersten Wutanfall aufgegeben habe!Danke!

T T T - Tipps, Tricks & Techniken

An dieser Stelle möchte ich etwas Praktischer werden. Da ich doch immer mal weider gefragt werde wo das Geheimnis liegt, trotz des Abgewöhnens vom Rauchen nicht zu zunehmen, werde ich hier den einen oder anderen Trick verraten. Wichtig zu erwähnen ist aber eines: Diese Techniken haben bei mir insgesamt Gut funktioniert. Sicherlich gab es auch hier den einen oder anderen Rückschlag aber in der Summe haben sie geklappt. Das muss aber nicht bei jedem so sein! Jeder Körper und jeder Kopf funktioniert anders - es sind also im Grunde nur Ideen was man tun kann!
Der Erfolg wird NICHT garantiert!

1. Ziele genau festlegen!
► Wer sein Ziel kennt weiß wo er lang muss. Behalte deine Ziele immer im Blick, dann tut auch ein kleiner Rückschlag nicht weh.

2. Keep Cool !
► Setz dich selbst nicht zu stark unter Druck! Es muss nicht alles beim ersten mal perfekt klappen - Gut Ding will Weile haben! Ein Kleiner Rückschlag schadet nicht, solange du weiter Spaß hast und an deinen Zielen dran bleibst!

3. Ersetze Zigaretten nicht durch Zucker.
► In Zigaretten sind Gifte die eine gute Verwertung der Nahrung verhindern. Wer sich das Rauchen abgewöhnt verwertet seine Nahrung besser, es werden mehr Nährstoffe und auch Fette (!!) aufgenommen als vorher. Wer dann noch anfängt die fehlenden Zigaretten durch Zucker zu ersetzen nimmt automatisch zu.

4. Essen: 3 mal am Tag reicht.
► Dem Körper reicht es wenn man sich nach einer der Ältesten Ernährungsregeln ernährt: "Morgens wie ein Kaiser, Mittags wie ein König, Abends wie ein Bettler". Will heißen: Reichhaltiges Frühstück, "Normales" Mittagsessen und ein Leichtes Abendbrot reichen aus. Ich habe auch nur selten die Möglichkeit mich genau danach zu ernähren, aber ich vermeide eines besonders: Mittagessen nach 18 Uhr - isst man nach 18 Uhr noch "Warm" kann man sicher sein das die Waage an nächsten Morgen nen Sprung nach oben macht. Viel Wichtiger als wann du isst, ist allerdings was du isst: Versuche möglichst viel Fett und zu viel Zucker zu vermeiden. Wobei auch hier ganz klar gilt: Lieber in Maßen statt dauerhaft auf Leibspeisen verzichten!

5. Für den Überblick: Regelmäßig wiegen & Gewichts-Tabelle anlegen.
► Man sollte regelmäßig den Schritt auf die Waage machen und das Ergebnis in eine Tabelle eintragen. Die Tabelle zeigt dann Erfolge und Rückschläge ohne das man insgesammt den Überblick verliert. Betrachte aber immer den gesamten Weg, nicht einzelne Tage - auch ich hatte Tage die mehr als "Sündig" waren. Doch der gesamte Weg ist wichtig, nicht ein einzelner Schritt.

6. Führe Tagebuch
►Gerade am Anfang ist es hilfreich täglich zu überlegen wie der Tag war. Schreib dein Résumé auf - sollte es mal Tage geben an denen es nicht so lief wie du willst kannst du so besser und schneller Fehler erkennen und korrigieren. Belüge dich in dem Tagebuch aber nicht selbst - das schadet der ganzen Sache nur und hilft dir am wenigsten!

7. Gib das Zigarettengeld NICHT aus!
► Ich habs so gemacht: Ich habe ausgerechnet was ich am Tag etwa verraucht habe. Meine Marke kostete ca. 5 € pro Schachtel und eine halbe Schachtel hab ich verqualmt am Tag, dies macht 2,50 €. Diese 2,50 € stecke ich jeden Abend in ein Glas - so kann ich mir später eine Belohnung gönnen. Das mag zwar täglich keine größe Summe sein, aber bedenke: Wer am Tag 2,50 € verraucht, pustet im Jahr über 900 € in den Wind!

8. Belohne Dich!
► Hast du ein Zwischenziel Erreicht? Eine Wichtige Hürde genommen? Dann gönn dir auch mal was! Wer immer nur nach Plan macht verliert schnell die Lust und die Geduld an der Sache. Wenn man sich aber auch mal belohnt erhält man sich so das Durchhaltevermögen.

9. Kontrolliere deinen Geist!
► Ein Körperlicher Entzug baut immer Stress und Ärger auf. Lass kontrolliert Dampf ab! Treibe dazu Sport oder nutze andere Wege wie Joga, Meditation oder Musik die dich beruhigt. Stress und Ärger sind überflüssige Energien die sich Wege nach draußen suchen - steuere sie in neue Bahnen. Da kann auch ein neues Hobby helfen.

10. Erzähle so viele Leuten wie möglich von deinem Vorhaben!
► Wenn man sich etwas in den Kopf gesetzt hat sollte man es auch durchziehen. Erzählt man dies seinen Mitmenschen sprechen sie einen immer wieder darauf an und man selbst bleibt dran.

11. Spanne deine/n Partner/in mit ein.
► Er/Sie kann zumindest dadurch helfen das er/sie dich immer mal wieder dran erinnert was du willst. Oder ihr macht es gemeinsam?!? Schau selbst wie und/oder ob dich dein/e Partner/in unterstützen kann.

12. Such dir weitere Hilfsmittel
► Für die ersten 100 Tage hat mir zum Beispiel sehr der "Rauchfrei-Kalender" der "Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung" (BZgA) geholfen. ( "Rauchfrei - der Kalender für die ersten 100 Tage" Bestell-Nr. 31350003 KOSTENFREI bei der BZgA bestellbar). Er hat bei mir jeden Tag zumindest für nen Lächeln gesorgt - was mir doch ganz gut tat. Such auch du dir Medien bzw. Wege die dir jeden Tag wieder Motivation geben.

 

Ich wünsche dir viel Erfolg - egal ob beim Rauchen smoke oder beim Weg zum Nichtmehrraucher :-) oder beim weiteren stöbern auf meiner Seite crazygrins oder bei was auch immer du jetzt noch vor hast :-P